Erste Eindrücke

Meine Ankunft in New York ist wunderbar unspektakulär. Nach einem netten Anflug über Upstate New York und New Jersey (bei dem von der Stadt weit und breit nichts zu sehen ist) auf Newark gelange ich mit der New Jersey Transit Bahn nach NY Penn Station – unterirdisch. Den Blick auf die Skyline kann ich grade mal so vom Flughafen aus sehen, dann verschwindet der Zug unter der Erde und ich werde erst wieder in Manhattan ausgespuckt, hineingeworfen ins Getümmel am Madison Square Garden.

Meine Idee, mich mit der U-Bahn bis zu meinem Wohnheim durchzuschlagen verwerfe ich ziemlich schnell. Mein Gepäck und vom Jetlag schmerzender Kopf lassen mich lieber wie wild Taxis hinterher winken, bis ich schließlich eines erwische, das bereit ist mich nach Uptown zu bringen. Ich versuche dem Taxifahrer die Besonderheiten deutscher Innenpolitik beizubringen (hey, er hat mich danach gefragt) und liefere wagemutige Einschätzungen über die Zukunft des Euro ab. Nach 8h Flug kommt dabei nicht viel mehr raus als: wir müssen abwarten, aber es sieht nicht gut aus. Aber viel mehr steht in  „seriösen“ Tageszeitungen auch nicht drin, vielleicht nur ein bisschen besser verpackt (meistens allerdings nicht).

Ein wunderschöner Central Park empfängt mich, nachdem ich mein Gepäck abgestellt habe und mich entschlossen habe, so lange wie möglich noch auf den Beinen zu bleiben, um den Jetlag möglichst entschieden zu  bekämpfen. Doch so schön der Park in der herbstlichen Abendsonne auch sein mag – um halb 10 gehen bei mir die Lichter aus und ich falle ins Bett.

Der Central Park am nächsten Tag

Am nächsten Tag schlage ich mich mit ein wenig Orgakram herum (Handy, Fühler ausstrecken nach Wohnungen, Bank, U-Bahn Tickets etc.), dann zieht es mich bei wunderschönem Sonnenschein aber wieder in den Central Park. New Yorks Hektik ist meinem Brummschädel einfach doch noch ein wenig zu viel und so genieße ich auf den Bänken im Grünen und an den Seen die Sonne und lese bei einem Falafel im Geo Spezial über New York…

Heute morgen stehe ich früh auf – was kein Problem ist, da ich dank Jetlag sowieso schon um 4 wach bin. Denn schließlich ist heute der 11. September 2011. Amerika, New York und große Teile der ganzen Welt gedenken den Anschlägen vor 10 Jahren. Also rein in die U-Bahn, runter zu Ground Zero, denn um ca. halb neun soll die Zeremonie beginnen. Dort angelangt bin ich überwältigt von der Anzahl der Sicherheitskräfte; Polizisten, Anweiser, Scharfschützen auf den Dächern, Polizisten auf Pferden, Ordner wohin man schaut. Diese lassen einen auch gar nicht ran zum Geschehen, denn das Motto ist „No Bags, please“. Und klar, ich hab ne Umhängetasche dabei. Irgendwann komme ich aber doch durch einen der vielen Durchgänge. Das ermöglicht einem aber „nur“ einen guten etwas besseren Blick auf einen der großen Monitore, die überall aufgestellt sind. Die eigentliche Veranstaltung findet auf dem Gelände des 9/11 Memorials statt, welches für die Öffentlichkeit heute noch nicht zugänglich ist, sondern nur für Familienmitglieder von Angehörigen. Die eigentliche Gedenkfeier ist recht unspektakulär und recht schlicht – es werden keine großen Reden geschwungen, sondern nach und nach lesen Angehörige die Namen der Opfer vor, teilweise mit persönlichen Anekdoten. Unterbrochen wird das Vorlesen von Gedenkminuten zu den Zeitpunkten der jeweiligen Ereignisse des Tages (s.u.).

Ich war von der Einfachheit und dem fehlenden Pomp etwas überrascht. Ja, natürlich wehte das Stars-and-Stripes Banner von allen Seiten und auch die Inszenierung der vorgelesenen Namen drückte ein wenig auf die Tränendrüse – aber das darf (und soll vielleicht) eine Trauer- und Gedenkfeier ja auch. Ich hätte noch mehr patriotischen Pathos erwartet und war positiv überrascht, diesen nicht so prominent anzutreffen.

Erschreckt (wenn auch nicht überrascht) war ich von dem massiven Einsatz von Sicherheitskräften. Wenn es das Ziel von Terroristen ist, Angst und Schrecken zu verbreiten, so haben sie angesichts dieses fast schon verzweifelten Aufgebots von unzähligen Polizei“truppen“ ihr Ziel zweifelsfrei erreicht. Hier sollte man sich ernsthaft fragen, welches mehr an Sicherheit zwei Kriege und unzählige Tote gebracht haben. Gleichzeitig war es aber auch erfrischend zu sehen, mit welcher stoischer Ruhe viele New Yorker den Jahrestag gar nicht zu beachten schienen. Außerhalb von der Ground Zero Area war dem Gedenktag nicht viel anzumerken – aber ich hatte nicht viel Gelegenheit, mit New Yorkern zu sprechen, so dass der letzte Eindruck vielleicht täuscht.

Bewegt hat mich, auch wenn es kitschig ist, vor allem Paul Simons großartige Version von „Sound of Silence“, die er während der Gedenkveranstaltung spielte:

Mit seinem vielschichtigen, vielfältig interpretierbaren Text passte das Lied zu einer solchen Gedenkfeier sehr viel besser als die – ebenfalls im Rahmen der Veranstaltung vorgetragene – etwas ausgelutschte und kitschige Querflöteninterpretation von „Amazing Grace“.

Jetzt sitze ich hier in meinem Zimmer und versuche mich mit dem Schreiben dieses Beitrags wachzuhalten (zugegeben, ein wenig Cola ist auch im Spiel), damit sich meine innere Uhr an die Zeitverschiebung gewöhnt – und bin gespannt auf meinen ersten Arbeitstag morgen…

7 thoughts on “Erste Eindrücke

  1. Hi Felix!

    Ich wünsche dir einen guten Start! Schade, dass wir uns nicht mehr gesehen haben, ist einfach zu viel los… Aber Weihnachten kommt ja schneller als man denkt und da bist ja da?

  2. Danke für die guten Wünsche! Ja, voll schade, dass es nicht mehr geklappt hat. Aber du hast recht – wahrscheinlich fliegt die Zeit bis Weihnachten und da werden wir uns sicherlich sehen! Viele Grüße!

  3. Alles Gute auch von mir! Lass mal hören, ob die UNO-Leute auch machen, was wir IB-Theoretiker ihnen unterstellen… Wehe, wenn nicht…😉
    Liebe Grüße
    T.

    • Natalie, bin bis zum 11. Mai auf jeden Fall in NYC. Also, ich kann nicht eure ganze NMUN-Delegation bei mir aufnehmen (v.a. da ich momentan ja noch nicht mal ne Wohnung hab), aber auf n Bierchen sollten wir es schon schaffen, oder?🙂

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