Chicago

Eigentlich hab ich gedacht, dass ich vor lauter Reisen nicht dazu kommen werde hier ausführlichere Einträge einzustellen, aber jetzt sitze ich gerade im Zug nach Boston, habe eine 20stündige Zugfahrt vor mir und mein Sitzplatz hat ne Steckdose. Da kann ich genauso gut schreiben, hab ich mir gedacht…🙂

(UPDATE: tatsächlich sitze ich grade in einem Hostel in New York und das geschriebene ist schon ein paar Tage vorbei. Kam aber vorher nicht dazu, das ins Netz zu stellen)

Freitag, 19. März
5.30 Uhr, Wecker klingelt. Der Flieger geht um 8.30 und ich muss mich sputen. Habe alles schon gestern Abend gepackt, gehe aber trotzdem noch ein letztes Mal durch mein Zimmer und meine Wohnung, um zu gucken ob ich nix vergessen habe und um mich zu verabschieden. Ping, mein Mitbewohner, ist aus Solidarität auch aufgestanden. Verabschiedung. Ich verspreche zu schreiben.

Sitze um halb sieben bei Joey im Auto, der mich zum Flughafen bringt. Über Nacht ist jedoch das Schneechaos ausgebrochen und der Verkehr versinkt im Chaos. Es wird gefährlich knapp, und ich versuche ruhig zu bleiben. Komme eine Stunde vor Abflug im Flughafen an, verabschiede mich von Joey und renne zum Schalter. Mein Gepäck ist mächtig schwer, da ich es nicht geschafft habe, meine ganzen Bücher mit der Post nach Hause zu schicken und sie sich jetzt größtenteils in meinen Taschen befinden.

Komme am Schalter an, Riesenschlange. Mist! Nur noch ne Stunde! Außerdem ist Gepäck einchecken nur bis 45min vor Abflug erlaubt. Ich beginne noch etwas nervöser zu werden. Gelange 35 min vor Abflug an den Schalter, aber die nette Dame am Schalter erlaubt mir mein Gepäck noch einzuchecken. Puh, geschafft!

Geschafft? Nicht ganz, eine kleine Behörde names Transportation Security Agency setzt alles daran, den Reisenden das Leben so schwer wie möglich zu machen und die Schlange vor dem Security Check scheint ewig zu sein… (seriously, Schuhe ausziehen? Der Typ an Weihnachten hatte doch die Bombe in der Unterhose? Naja, die Hose durfte ich anbehalten). Egal, schaffe es gerade so durch die Security und bin 20min vor Abflug am Gate. Diesmal wirklich geschafft!

Komme so gegen 12 Uhr in Chicago an, schleppe mein Gepäck durch den Midway-Flughafen und versuche herauszufinden, wie das hiesige öffentliche Transportsystem funktioniert. Mit Hilfe meines Reiseführers & Durchfragen gelange ich schließlich zur Orange Line, der Trambahn die mich nach Downtown bringt. Dort finde ich dann nach weiteren Schlepporgien mein Hostel und chille bei einem kubanischen Sandwich ein wenig im benachbarten kubanischen Kaffee bis ich Einchecken kann – bin nämlich zu früh da!

Nach dem Einchecken geht’s raus, in die Stadt. Chicago, yeah! The Windy City! Das Wetter ist prima! Nachdem ich ca. schon auf halbem Weg in die Stadt bin bemerke ich, dass die Batterien meiner Kamera leer sind! Damn! Beschließe, mein Handy zu benutzen. Dumm nur, dass auch hier mein Akku schon gefährlich leer ist, so dass die Kamerafunktion wegen Energiesparzwecken ausgeschaltet bleibt. Wohl keine Bilder heute.

Das einzige Bild von Chicago an diesem Tag

Spaziere ein wenig durch die Stadt, hin zum riesigen Lake Michigan und weiter in den „Loop“, das ist die Bezeichnung für die Innenstadt, um die die Hochbahn in einer riesigen Schleife fährt. Kaffee & Internet im Barnes & Noble, telefoniere mit Sarah (eine Freundin aus Tübingen, die ich an der Ostküste treffen werde) und plane, wie ich meine weitere Reise mit ihren Plänen koordinieren kann.

Es ist spät, ich texte Chris, einem Freund aus Denver, der in Chicago aufgewachsen ist und hier studiert hat: Empfehlung für eine gute Kneipe zum Abendessen? Die Antwort kommt prompt und so sitze ich eine halbe Stunde später im „Exchequer“ und bestelle eine echte Chicago-Style Pizza. Der Abschuss ist aber, dass ich hier, tausende von Meilen von Bayern ein waschechtes, frisch gezapftes Hacker-Pschorr bekomme, eiskalt mit Zitrone! Ah, in Kombination mit der unglaublich guten Pizza rundet das den Abend perfekt ab…

Samstag, 20. März

Aufstehen, Frühstück im Hostel. Während das Hostel eigentlich sauber, angenehm und sehr empfehlenswert ist, so ist der Kaffee beim Frühstück, ehrlich gesagt, ein Verbrechen. Und wer zur Hölle hat eigentlich dieses Creamer-Pulver gefunden, diese Vergewaltigung von Milch? Egal, ich bin nicht wegen dem Frühstück in Chicago.

Der Blick aus dem Hostelfenster sagt mir, dass das weitere Stadterkunden heute erst mal flach fällt. Schneeregen, Temperaturen um die 0° Grad und ganz offensichtlich wollte mir Chicago auch zeigen, warum es „the windy city“ heißt. Das bedeutet Museumstag! Ich packe mich also ein so gut es geht und werfe mich ins Wetter. Doch das wirft ganz schön zurück. Nach zwei Blocks sind meine Schuhe vom Schneematsch durchweicht, der Wind peitscht mir die Kälte ins Gesicht und ich halte mich in den eisigen Straßenschluchten gerade so auf Kurs zum Museum. Wem das jetzt etwas zu schwülstig geschrieben vorkommt, der hätte dabei sein sollen. In meinen ganzen 6 Monaten am Fuß der Rockies war es mir nicht EINMAL so kalt, wie an diesem Morgen in Chicago.

Schneeregen in Chicago

Aber von wegen auf Kurs halten. Natürlich habe ich mich mit dem Weg verschätzt und stehe irgendwann in einer Sackgasse. Langsam beginnt es, keinen Spaß mehr zu machen. Ich drehe um und suche weiter, finde eine Brücke und bin endlich nicht nur in Blick- sondern auch Gehreichweite zum Museum.

Field Museum, Chicago. Hell yeah. Man merkt deutlich, dass das Museum für alle Alterstufen gemacht ist – was dem Spaß aber keine Abbruch tut. Ich stürze mich ins Gewimmel, erster Stop ist die neu eröffnete Mammut-Ausstellung. Yes, Mammuts, Urzeit, Stoßzähne, Mastodons! Hab ich als Kind geliebt und bekenne mich auch mit 25, einem halbem viertel Jahrhundert, dazu, dass mir das riesigen Spaß gemacht hat. Dazu ist die Ausstellung gut gemacht, viel zum Anfassen, haufenweise digitale Videos, Skelette, etc. Das ist wirklich Museumsunterhaltung vom feinsten.

Und so geht es weiter. Ausstellungen zum alten Ägypten, Afrika, den Ureinwohnern der amerikanischen Kontinente, usw. und so fort. Alles sehr gut gemacht, sehr unterhaltsam und auch sehr lehrreich. Wenn nur meine Füße nicht so nass wären!

Totempfahl im American Field Museum

Aber das beste am Natural Field Museum ist natürlich Sue. Sue ist ein Tyrannosaurus Rex, besser gesagt das Skelett eines T. Rex, das am besten erhaltene T. Rex Skelett in the whole wide world. Und Sue steht im Field Museum! Yeah! Ein T. Rex! Rangierten für mich als Kind Mammuts&Mastodons in der Coolheitsskala auf ca. 6,5/10 so waren Dinosaurier auf 10 und der T. Rex auf der verdammten 12!!! Da steh ich also, hinter mir Sue und freue mich wie ein Schnitzel. Allein das lohnt schon den nicht billigen Eintritt.

Sue and Me

Sue and Me

Danach, das Wetter ist etwas besser, gibt’s ein spätes Lunch im Epic Burger, einem Ökoburgerladen, der den Burger nur aus frischen & organic-Zutaten zubereitet. Sehr lecker. Danach, geht’s mit nem Kaffee ins Hostel wo ich den Rest des Nachmittags und des Abends chille. Das Wetter ist einfach zu schlecht um irgendetwas anderes zu machen. Treffe interessante Leute, unter anderem einen alten Dänen, der schon längst in Rente ist und halb blind ist, aber trotzdem noch durch die Hostels zieht. Ziemlich schräger Kerl, aber irgendwie cool.

Sonntag, 21. März

Ich stehe zu spät auf, Frühstück ist schon abgebaut. Bekomme trotzdem noch einen Kaffee & nen Muffin ab. Das ist ok. Das Wetter ist besser, aber der Wind ist immer noch eiskalt und ständig präsent. Trotzdem werde ich überrascht: Halb Chicago ist auf den Beinen und läuft einen Marathon…🙂 Mir ist das Wetter aber dennoch zu kalt und ich beschließe einen weiteren Museumsvormittag einzulegen und pilgere zum Adler Planetarium, wo es rund um den Weltraum und das Universum einiges zu sehen geben soll.

Das Planetarium ist ganz nett aufgemacht, auch hier haben sich die Museumsdesigner einige Mühe gemacht, aber irgendwie bin nicht ganz so begeistert wie im Field Museum, obwohl eigentlich auf Weltraum und so Zeug stehe. Das mag einerseits an der etwas ZU amerikanischen Art liegen, mit der das Museum entworfen ist (Space, the final frontier! You can be an astronaut, if you only work hard enough!) – das wirkt irgendwie falsch und das Mondfahrtsprojekt wird meiner Meinung zu wenig im Lichte des Kalten Krieges dargestellt sondern eher als Unternehmen der ganzen Menschheit, welches zufällig die Amerikaner angeführt haben. Naja, vielleicht sind es aber auch die Horden an Schulklassenkids die durch das Museum rennen, die mich ein wenig nerven.

Alles in allem ist es aber trotzdem ganz interessant. In dem Café dort relaxe ich erst mal, genieße die Aussicht auf Chicagos Skyline und widme mich meiner Urlaubslektüre. Danach mache ich einen kleine Stadtspazierung, wandere durch Chicagos Straßenschluchten und schieße einfach ein paar Fotos (s.u.). So vergeht der Nachmittag auch wie im Fluge und ich bin noch kurz im Hostel chillen, bevor ich im Miller’s Pub bei Fish&Chips + Bier und Urlaubslektüre den Abend ausklingen lasse.

Chicago beim Marathon

Chicago Skyline

Streets of Chicago

Skyscraper in Chicago

"The Bean"

More Streets & Skyscrapers

Montag, 22. März

Das Wetter ist fantastisch! Immer noch etwas kalt, aber wolkenloser Himmel, Sonnenschein und trocken. Ich ziehe früh los, denn das Wetter lädt dazu ein, heute auf den Sears Tower (inzwischen zum Willis Tower umbenannt) hochzufahren, der lange Zeit das höchste Gebäude der Welt war.

Dort angekommen ist die Schlange überlang, was daran liegt, dass die Aussichtsplattform erst um 10 Uhr aufmacht und ich um 9.45 da bin. Hm, ok, da warten ist mir zu blöd. Ich schlendere los, überquere den Chicago River und schaue mir die Stadt jenseits des Flusses an. Hier gibt’s ein paar Bilder des Spaziergangs:

Manche Hochhäuser sind einfach ziemliche Betonblocks...

...so wie dieses hier z.B.

Glas, Beton und blauer Himmel

Nach ca. einer halben Stunde kehre ich dann zum Sears Tower zurück, keine Schlange mehr und ich fahre hoch zum Skydeck im 103. Stock. Ja, was soll ich sagen? Die Aussicht ist phänomenal. Ich mache Bilder wie ein Verrückter und wage mich auch in die Plexiglasboxen, die dort frei in der Luft hängen. Hehe, das ist scary, macht aber irgendwie auch Spaß.

Blick nach Norden vom Sears Tower

Blick auf Downtown vom Sears Tower

Up in the air

Nach nem Sandwich zum Lunch beschließe ich den, Stadtrundgang zu machen, den mir mein Reiseführer empfiehlt, vor allem, da er mich die nördlicheren Teil Chicagos führt, wo ich bisher noch nicht war. Er stellt sich allerdings nur als mäßig spannend heraus, viele der Gebäude an denen man vorbeikommt sind so naja, bzw. es wird nicht ganz klar warum gerade die bei einem Stadtrundgang besucht werden sollen. Trotzdem sind ein paar ganz nette Fotos dabei rausgekommen:

Kunstinstallation in Chicago

Jesus der Wissenschaftler

Neogotischer Wolkenkratzer in Chicago

Trump Tower Chicago

Hochhäuser am Ufer des Chicago River

Schön wird es dann am Strand, allerdings ist es viel zu kalt, als dass dort viele Menschen unterwegs wären. Ich kann mir aber vorstellen, dass das im Sommer ein nettes Plätzchen sein muss. Ich wandere zurück in die Innenstadt und setze mich mit Kaffee & Donuts an das Flussufer, genieße die Sonne und lese.

Dann ist auch schon Abend, ich kaufe ein paar Snacks für die Zugfahrt, hole mein Gepäck aus den Schließfächern im Hostel und schleppe alles zur Union Station, von wo aus ich mit dem Zug nach Boston fahren werde. Der Zug fährt auch pünktlich um neun Uhr abends los, ich lehne mich zurück, chille und stöpsele meinen Computer ein und beginne zu schreiben…

6 thoughts on “Chicago

  1. „Hab ich als Kind geliebt und bekenne mich auch mit 25, einem halbem Jahrhundert, dazu, dass mir das riesigen Spaß gemacht hat.“

    ich war zwar nie so gut in mathe wie du…aber ich behaupte – nach rücksprache mit meinem taschenrechner – dass 25 jahre kein halbes jahrhundert sind^^

    aber dinos rocken!!!

  2. Aber hallo, gehen Dinos ab!
    Ich hab mein ganzes Taschengeld in diese Gummi-Dino-Modelle gesteckt… damals, vor 70 Jahre, oder so.😉

  3. Ich muss sagen, ich hab beim Lesen richtig Hunger bekommen-Pizza, Fish n Chips, Donuts…Amerika ist toll:)
    Und wirklich schöne Bilder; eigentlich haben mich Großstädte nie so angemacht, aber Wolkenkratzer haben doch irgendwie was…

  4. Wenn ich mich nicht so freuen würde, dass du bald wieder da bist, würde ich dich doch glatt gleich wieder auf Weltreise schicken, als mein persönlicher Referent für Orte auf diesem wunderbaren Globus, die man unbedingt gesehen haben muss🙂 bis in nicht mal ner Woche, liebe Grüße!

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