A day in the life of an exchange student

7.30: Wecker. Aufstehen. Oder doch nicht?
7.35: Wecker. Aufstehen. Er ist hartnäckig.
7.40: Wecker. Aufstehen! Verdammt!
7.42: Dusche. Wach werden.
7.55: Kleider suchen. Stelle fest, dass ich eigentlich schon seit mehreren Tage Wäsche waschen wollte. Keine frischen Kleider. Beschließe, dass zwei Tage für ein T-Shirt noch nicht alt sind.
7.55: Hunger. Muss feststellen, dass ich gestern vergessen habe, abzuspülen. Teller, Tasse & Besteck spülen. Versuche zu überlegen, wann ich tatsächlich das letzte Mal nicht morgens abgespült habe. Kann mich nicht erinnern. Morgens abspülen kann mich also nicht so sehr stören, sonst hätte ich’s schon geändert.
8.06: Mist, kein Obst fürs Müsli mehr. Notiz: Einkaufen! Bald.
8.12: Müsli, Kaffee, New York Times & Spiegel Online. Etwas aufregendes und/oder ungewöhnliches in der Welt passiert? Westerwelle stellt fest, dass in Deutschland „sozialistische“ Strukturen herrschen. Weder aufregend noch ungewöhnlich. Lese Artikel zu FDP-Umfragewerten und hake es unter „Eigentor“ ab.
8.22: Dran denken, dass in Deutschland heute Fasnachtwoche ist. Stelle freudig fest, in den USA zu sein.
8.42: Dafür, dass nix passiert ist in der Welt erstaunlich lange Nachrichten im Internet gelesen. Ok, vielleicht war auch etwas facebook dabei. Und vielleicht hab ich auch einfach keine Lust mit meinem Uni-Krempel anzufangen.
8.48: Lust hin oder her. Sachen packen, Bücher, Laptop. Los geht’s.
9.02: Bibliothek. Angenehm leer. Breite meine Sachen aus. Sieht fast schon aus, wie mein Schreibtisch in meiner Wohnung. Das war nicht der Plan.
9.08: Öffne Word-Dokument, 2509 Wörter. Deadline: bis heute abend, 24 Uhr, mindestens 4000 Wörter. Seufz. Ab in den Bürgerkrieg Sri Lankas.
11.07: 2868 Wörter. Das zieht sich mehr als gedacht. Immerhin sieht man die 3000 schon am Horizont.
11.17: Hunger klopft an. Mist. Der Arbeitseffektivität sehr abträglich.
11.44: SMS: „anybody up for getting lunch somewhere?“
12.30: Anscheinend ist keiner up for lunch. Dammit! Ernsthafte Überlegungen, ob ich alleine essen gehen soll oder noch warten, wirken sich negativ auf den Schreibfluss aus. Macht an dieser Stelle mehr Sinn von Schreibtröpfeln zu reden.
12.45: GAU! Word stürzt ab. Atme tief durch und aktiviere Notfallprotokoll. Nehme ein Screenshot der eingefrorenen Seite, schließe das Word und bete. (Ok, ich bete nicht, sondern hoffe inständig. Was genau ist der Unterschied?)
12.51: Word stellt das Dokument wieder her und es fehlen nur die letzten zwei Sätze. Die hab ich auf meinem Screenshot! Yeah!
13.07: David ruft an. Lunch?
13.17: Lunch mit David und Vicky. Froh aus der blöden Bibliothek raus zu sein.
14.20: Bibliothek. Kaffee. Will Mittagsschlaf. Keine Zeit.
14.42: Vorsichtig Word-Dokument öffnen: 3230 ist die magische Zahl. 800 to go.
15.11: Anfangen! Warten bis das Literaturmanagementprogramm geladen hat (Dauer: ~1 Minute), ist keine Entschuldigung für eine halbe Stunde Surfen im Internet! Sauer auf mich selbst sein.
~ 16.00: Schreibfluss. Kein Tröpfeln mehr. Ok, vielleicht ein bisschen.
16.54: Stelle fest, dass ich 4315 Wörter inkl. Fußnoten habe. Blöd, dass die nicht mitzählen. Real-time count: 3757. Zeit für ne Pause: Mandarine.
16.58: Pause um. Damn. War letzte Mandarine.
17.18: Werde müde, Augen fallen zu. Brauche Kaffee und Schokolade. Stelle fest, dass Studieren ganz schön ungesund ist.
17.24: Kaffee & Snickers. Habe beim gehen zum bibliothekseigenen Coffee Shop mindestens fünf Bücher entdeckt, die ich jetzt lieber lesen würde, als das blöde Paper zu schreiben. Und ich bin durchs Ökonomieregal gegangen.
18.36: 4422 Wörter! Yeah! Obwohl… ich muss aber eigentlich doch noch ein Kapitel schreiben… Wird das nicht alles ein bisschen viel? Beschließe, dass das erst mal egal ist.
18.40: 4113 ohne die Riesentabelle, die ich gerade eingefügt habe. Das könnte grad noch unter der 5000er-Obergrenze bleiben. Mal schaun. Schreibmodus.
19.21: Paper steht! 5551 Wörter! (mit Tabelle) Den letzten Abschnitt hab ich mir arg aus den Fingern gesaugt (Stichwort „peeling-the-onion“ peace strategy) aber egal, ich bin fertig. Jetzt erst mal heim, was essen, ne stunde no-brainern und dann nochmal drüber. Habe ja bis 24h Zeit.
19.41: Schinken & Tomaten Sandwich + Battlestar Galactica. Abschalten.
20.30: Anschalten! Aber vorher: Wäsche waschen!
20.49: Während die Wäsche in der Maschine rumpelt, les ich dat Ding nochmal durch. Finde Fehler. Finde, dass Englisch manchmal eine komische Sprache ist.
22.23: Letzte layouttechnische Schliffe, noch ne Karte von Sri Lanka reingeklatscht, gut ist.
22.48: Fertig. As in: echt richtig wirklich fertig. Wäsche aus der Maschine in den Trockner.
22.52: Wäsche im Trockner. Trockner meint, er braucht genau 48 minuten. Das ist ziemlich genau ne Folge Battlestar Galactica. Ich muss ja ein bisschen für mein BSG-Season 2 rewatch nachholen. Danach nochmal durchlesen, abchecken und abgeschickt!
23.39: Letztes mal durchlesen. Obligatorischen Rechtschreibfehler auf der ersten Seite finden und ausbessern. Durchatmen. Zufrieden? Hm, nicht wirklich. Ich hätte noch einen Tag gebraucht, zum nochmal in Ruhe Durchlesen und zum inhaltliche Fehler/Ungenauigkeiten ausbessern. (Random philosophical note: Ich habe bisher noch keine Hausarbeit/Paper/whatever abgeschickt, bei der ich am Ende nicht gedacht habe, ein Tag mehr und das Ding wär perfekt gewesen. Keine. Ich frage mich, was passiert, wenn man diesen magischen einen Tag gewährt bekommt? Meine Theorie ist, dass man am Ende dieses Tages noch einen halben weiteren Tag brauchen würde. Und wenn man diesen bekommt einen Vierteltag. Und dann einen Achteltag. Bin plötzlich ganz froh, jetzt schon fertig zu sein. Auch wenn ich noch einen Tag gebraucht hätte, goddammit!)
23.59: Abschicken! Finde meine Zeit genau richtig. Hoffe, mein Professor auch.
0.04: Wäsche aus dem Trockner.
0.06: Schreibe Blogeintrag.
0.42: Stelle Blogeintrag fertig. Fazit dieses Tages: 1 abgegebenes Paper, 1 Ladung gewaschene Wäsche, 3 Kaffee & 1 Snickers, 3042 Wörter, 1 Blogeintrag, 1 überlebten MS Word Super-GAU, 2 Folgen Battlestar Galactica, 1x abgespültes Geschirr. Finde, dass es im Großen und Ganzen ein guter Tag war.

(Hat-Tip @nerdcore für die Idee zum Artikel)

10 thoughts on “A day in the life of an exchange student

  1. Haha, großartig:D Nicht ganz das, was man sich unter einem typischen Austauschstudenten-Tag vorstellt (zu wenig Bier), aber ne tolle Idee, da hätte ich auch mal drauf kommen müssen. Und Glückwunsch zum beendeten Paper und viel wichtiger, der gewaschenen Wäsche:)

  2. In Deutschland laufen die Wetten, ob Guido den Sommer (politisch) überlebt🙂
    Ahja und Fasching, dann bekommst du ja auch keine Krapfen… das ist traurig.
    Liebe Grüße!!

  3. Hm. Im Google Reader taucht er auf. Aber du hast ihn ja gefunden…🙂 Und ich würde auch gegen Gerrits Wette wetten. Mich aber freuen, wenn ich verlieren würde.

    @Isi: Das Bier kommt heut abend… was denkst du denn?

    @Marisell&Gerrit: Krapfen. Mist, ich wusste doch, da war was. Next year.

    @Jan: That’s just the way it is, I guess…

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