Die Entwicklung von Terry Pratchetts Scheibenweltromanen

Angesichts meiner (höchst vergnüglichen) Urlaubslektüre des neuen Terry Pratchett-Romans „Unseen Academicals„, will ich hier nur kurz auf einen lesenswerten Artikel auf der molochronik hinweisen.

Darin rezensiert Alex / molosovsky die Reihe „Die Gelehrten der Scheibenwelt“ in der Terry Pratchett zusammen mit den Co-Autoren Ian Stewart und Jack Cohen auf  sehr unterhaltsame Weise Scheibenwelt-Erzählungen mit Wissenschaftsthemen, wie Evolution, Philosophie oder der Entstehung der Erde verknüpft. Ich hab von der Reihe nur den ersten Band „Die Gelehrten der Scheibenwelt“ gelesen, die anderen beiden hören sich aber auch vielversprechend an und ich sollte vielleicht einen Blick riskieren.

In jenem Artikel bietet Alex / molosovsky aber auch eine sehr gute Zusammenfassung der Bedeutung von Pratchetts Schaffen in den vergangenen 26 Jahren. Diese Zusammenfassung trifft m.E. den Nagel auf den Kopf und ist es Wert hier in voller Länge zitiert zu werden:

Pratchetts Scheibenwelt hat sich seit 1983 zur einer der erfolgreichsten und prägendsten Fantasy-Institutionen entwickelt. Als attraktivste Eigenheit der Entwicklung von Pratchetts Schreiben empfinde ich, wie er sich im Laufe der Jahre vom parodistischen Satiriker, der vornehmlich (allzu) liebgewonnene Eigenheiten der Genre-Fantasy genüsslich aufs Korn nimmt, zu einem humoristischen Moralisten entwickelte. Über den Kurs der (derzeit etwa) 40-ebbes Scheibenweltbücher zeichnet sich Pratchetts Auseinandersetzung mit geschichtlichen, gesellschaftlichen und philosophischen Problemen und Spannung immer deutlicher ab. Als markante Stationen dieses Erstarkens von Pratchetts engagierten Zeitgenossenschaftskommentaren verweise ich auf das Geschlechterrollengerangel zwischen Magiern und Hexen (»Equal Rites«, 1987), die Gräuel des fundamentalistischen Monotheismus (»Small Gods«, 1992), den Missbrauch von sowohl fremdenfeindlicher als auch Multikulti-Denke durch Diplomatie und Politik in Kriegszeiten (»Jjngo«, 1997). Eine thematisch-stimmungshafte »Verdüsterung« der Scheibenwelt hat sich endgültig ab »Night Watch« (2002) etabliert, immerhin werden hier Revolutionsunruhen, Bürgerkriegsmassaker und Serienmörderpathologien ausgebreitet. Anders ausgedrückt, schafft es Pratchett scheinbar so nebenbei, sich für seine Fantasywelt Epochen wie die Industrielle Revolution oder die moderne Konsum- und Mediengesellschaft als Material nutzbar zu machen. Entsprechend abwechslungsreich finden sich in den Scheibenweltbüchern die verschiedensten modernen Milieus ein, wird spielerisch-erzählend vorgeführt, wie die Identitäten von Minderheiten Eigenleben entwickeln, individuelle Weltbilder von der sozialen Einbettung geprägt werden, und wie schwer die Bemühungen (ja leider oft gewalttätig die Konflikte) um eine vermittelnde, umfassende Sicht auf die Wirklichkeit sind.

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