Classes in Retrospect II: Intelligence & National Security

Fazit
Mein “James Bond”-Kurs…🙂 Ok ok, bevor ich hier wütende Kommentare bekomme, Bond is natürlich vom MI6, also besser mein „Felix Leiter“-Kurs. Aber im Ernst, wusste auch hier nicht was ich von nem Kurs über Nachrichtendienste zu erwarten hatte. In vieler Hinsicht sehr interessanter Kurs, sehr ansprechende Pflichtlektüre (s.u.) und natürlich unsere großartige Dozentin, die mit 20 Jahren CIA Erfahrung so manche Geschichte erzählen hatte…🙂

Mitgenommen hab ich hauptsächlich wie unsäglich komplex der Nachrichtendienstprozess mit ca. 15 (je nachdem wie man zählt) Nachrichtendienstinstitutionen in den USA ist und wie viel internen Widerspruch es zwischen den einzelnen Agencies und innerhalb der Agencies gibt. Ich hab auch ein gutes Gefühl dafür bekommen wie solch kolossalen Intelligence-Fehlschläge wie 9/11 oder Irak 2003 passieren konnten. Insgesamt konnte die Dozentin einen ziemlich glaubhaften Eindruck von der alltäglichen Arbeit von Nachrichtendienstoffizieren vermitteln und auch deren alltäglichen Probleme verständlich machen. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich wie viel Macht in einem solchen Geheimdienstapparat versammelt ist, vor allem wenn man nicht nur Informationsgewinnung sondern auch die Fähigkeit zu verdeckten Operationen berücksichtigt.

Eine weiterer Nebeneffekt des Kurses war, dass er mich (noch mehr) desillusioniert hat, was irgendwelche Verschwörungstheorien angeht, in deren Zentrum eine wie auch immer „allmächtige“ Central Intelligence Agency steht. Nicht, dass ich vorher glühender Anhänger solcher Theorien war, weit davon entfernt. Aber in so einer riesigen Bürokratie irgendwelche Bad-Ass Kill ´em all Geheimnisse verborgen zu halten, ist praktisch unmöglich. Versteht mich nicht falsch, das heißt nicht Friede, Freude, Eierkuchen – im Gegenteil, denn die Covert-Ops Fähigkeiten sind ja durchaus vorhanden und wurden und werden ja auch eingesetzt. Aber alles was politisch brisant ist und irgendjemand irgendwie politisch nutzen kann (sogar wenn nicht…) kommt früher oder später ans Tageslicht (siehe CIA-Geheimgefängnisse, Folter, etc.).

Aufschlussreich war auch zu beobachten, wie sich der Blickwinkel ändert, wenn das eigene Land über ein solch mächtigen Geheimdienstapparat verfügt. Der Satz „Intelligence business is sometimes just dirty business” fiel durchaus das ein oder andere Mal (allerdings nicht von unserer Dozentin!) und allein die Tatsache, dass solche Dinge wie gezielte Tötungen und verdeckte Operationen diskutiert wurden, zeigt wie sehr sich die Wahrnehmung ändert, einfach weil die Kapazitäten zu solchen Aktionen vorhanden sind. Entsprechende Diskussionen würden so wahrscheinlich in keinem deutschen Seminarraum stattfinden (abgesehen davon, dass ich bezweifle, dass es dt. Kurse zu Nachrichtendiensten gibt).

Ein letzter Kritikpunkt: Der Kurs wurde hauptsächlich als Vorlesung gehalten obwohl wir nur ca. 20 Studenten waren. Das war tw. etwas ermüdend v.a. da der Kurs von 6-9 abends ging. Natürlich waren die eingestreuten Anekdoten unserer Dozentin ganz lustig, aber das rettet 3h passives Zuhören auch nicht mehr. Andererseits gab’s dann und wann auch die ein oder andere Übung, die dann wieder ganz interessant war, weil sie praxisnah konzipiert war.

Fazit: Bin nicht zum Geheimagenten mutiert und viele Fragezeichen (v.a. ethische) bleiben, hab aber ein gutes Verständnis für Arbeitsabläufe und –bedingungen der US Intelligence Community bekommen. Und das ist ja mal was.

Term Paper

Gab’s nicht, die Note setzte sich aus mehreren Short-Papers zusammen, die im Laufe des Quarters angefertigt wurden. Themen waren u.a.: „Designing an intelligence collection program on Iran“, „The modern role of covert action“ etc. Ziemlich zwiespältige Themen und es spricht für die Dozentin, dass sie auch kritischere Paper gut bewertet hat. Final Take Home waren Essayfragen zu Ausbildung & Training von Analysten und Ethik der Nachrichtendienste (bei letzterer Frage hab ich’s ziemlich ausgereizt…🙂 )

Lektüre

Wir hatten einen Haufen Pflichtlektüre, von daher nur ein Hinweis auf ein Buch unter vielen, dass ich sehr interessant fand und auch für nicht-promovierte Politikwissenschaftler😉 durchaus lesbar und empfehlenswert ist: Steve Coll: Ghost Wars (Penguin Books, 2004), Pulitzer-Preisträger 2005. Das Buch gibts momentan nur in Englisch, aber wer halbwegs durch ne englische Southpark-Folge kommt, sollte keine Problem haben. Hier die Inhaltsbeschreibung von Amazon (ja, ich bin faul), die es meiner Meinung nach ganz gut trifft:

Steve Coll’s Ghost Wars: The Secret History of the CIA, Afghanistan, and Bin Laden, from the Soviet Invasion to September 10, 2001 offers revealing details of the CIA’s involvement in the evolution of the Taliban and Al Qaeda in the years before the September 11 attacks. From the beginning, Coll shows how the CIA’s on-again, off-again engagement with Afghanistan after the end of the Soviet war left officials at Langley with inadequate resources and intelligence to appreciate the emerging power of the Taliban. He also demonstrates how Afghanistan became a deadly playing field for international politics where Soviet, Pakistani, and U.S. agents armed and trained a succession of warring factions. At the same time, the book, though opinionated, is not solely a critique of the agency. Coll balances accounts of CIA failures with the success stories, like the capture of Mir Amal Kasi. Coll, managing editor for the Washington Post, covered Afghanistan from 1989 to 1992. He demonstrates unprecedented access to records of White House meetings and to formerly classified material, and his command of Saudi, Pakistani, and Afghani politics is impressive. He also provides a seeming insider’s perspective on personalities like George Tenet, William Casey, and anti-terrorism czar, Richard Clarke („who seemed to wield enormous power precisely because hardly anyone knew who he was or what exactly he did for a living“). Coll manages to weave his research into a narrative that sometimes has the feel of a Tom Clancy novel yet never crosses into excess. While comprehensive, Coll’s book may be hard going for those looking for a direct account of the events leading to the 9-11 attacks. The CIA’s 1998 engagement with bin Laden as a target for capture begins a full two-thirds of the way into Ghost Wars, only after a lengthy march through developments during the Carter, Reagan, and early Clinton Presidencies. But this is not a critique of Coll’s efforts; just a warning that some stamina is required to keep up. Ghost Wars is a complex study of intelligence operations and an invaluable resource for those seeking a nuanced understanding of how a small band of extremists rose to inflict incalculable damage on American soil

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