Classes in retrospect I: U.S. Foreign Policy

——
Vorneweg: Im Folgenden gibts Berichte über meine drei Kurse, die ich dieses Quarter belegt habe. Die Berichte können etwas länger werden und haben etwas mehr Tagebuchartiges, da ich sie hiermit auch für mich selbst nochmal zusammenfasse. Es kann daher sein, dass manches nicht ganz klar ist, oder nur stichwortartig angesprochen wird, da ich tw. direkt von meinen englischen Notizen übersetze und ich evtl. zu faul elegante dt. grammatische Konstruktionen zu finden (oder erst gar nicht übersetze *g*). Wer in solchen Fällen nur Bahnhof versteht, aber gerne mehr wissen würde, bitte melden!
——

Fazit

Sehr interessanter, zum Nachdenken anregender Kurs (Seminarplan gibt’s hier). War erst ein bisschen skeptisch, da mir irgendwie die beiden Lehrbücher (s.u.) spanisch vorkamen und ich keinen richtigen Schimmer hatte, in welche Richtung der Kurs gehen sollte. Mehr theoretisch, klassische AP-Analyse? Mehr policy-orientiert und an aktuellen Fragestellungen ausgerichtet? Ich hatte keine Ahnung. Ich wurde allerdings sowohl von den Büchern als auch dem Kurs insgesamt sehr angenehm überrascht. Inhaltlich konzentrierten wir uns auf die kulturellen und geschichtlichen Einflüsse auf die Außenpolitik der USA sowie auf Analyse tagesaktueller Ereignisse bzw. Außenpolitikdebatten.

Der Kurs profitierte von seiner bunten Zusammensetzung: zwei (Ex-)Armeeangehörige (u.a. der Dozent), eine Lehrerin, ein Polizist, eine Nigerianerin, ein Deutscher (ich, klar, gibt hier nicht so viele Deutsche, was auch ganz gut so ist) und natürlich ganz viel Amis von überall her und alle mit ganz unterschiedlichen Meinungen.🙂 Da gab’s reichlich Gesprächsstoff und manchmal war’s einfach nur interessant sich zurückzulehnen und der Diskussion zu folgen, manchmal war aber auch Mitdiskutieren angesagt, klar.

Gerade die inhaltliche Auseinandersetzung mit den kulturellen Grundlagen der amerikanischen Außenpolitik war sehr aufschlussreich und interessanterweise spiegelte sich diese mehr theoretisch/historische Debatte aus den Lehrbüchern auch in den Positionen der einzelnen Seminarteilnehmern wieder.

Term Paper

Mein Term Paper war zum Thema „U.S. Außenpolitik & Responsibility to Protect“:

Responsibility to Protect (R2P) is a recently developed concept in international relations which relates to a state’s responsibilities towards its population and to the international community’s responsibility in case a state fails to fulfill its responsibilities.
(Quelle: Wikipedia)

(Randnotiz: Sowohl der deutsche als auch der englische (obwohl der weniger) Wikipedia-Eintrag zum Thema sind allerdings ziemlich haarsträubend – irgendjemand sollte da mal drüber gehen. In einem anderen Leben mit mehr Zeit, kann ich das gerne machen). Superinteressantes Thema (Master-Arbeit ick hör dir trapsen? hm, vielleicht auch nicht…) und auch einfacher zu bearbeiten als mein ursprünglich geplantes Thema „U.S. Foreign Policy and UN Security Council Reform“ <= hätte nicht gedacht dass das so kompliziert ist, gibt ungefähr 20 Millionen Reformvorschläge die alle ungefähr genauso oft geändert wurden und alle irgendwo haken, da hab ich schon beim Überblick verschaffen den Überblick verloren.

Lektüre

Ok, zurück zum Thema, dem Kurs. Das Wichtigste wurde eigentlich schon gesagt, allerdings will ich an dieser Stelle noch auf eines der Pflichtbücher aus dem Kurs hinweisen: Walter Russell Meads „Special Providence: American foreign policy and how it changed the world“ (2002, Routledge, Google Book Link hier).

Mead entwickelt vier „Schulen“ amerikanischer Außenpolitik, mit deren Kombination er die US-Außenpolitik zu erklären versucht: Wilsonianism, Hamiltonianism, Jacksonianism, Jeffersonianism (die Schulen gehen auf die jeweiligen US-Präsidenten/Politiker zurück, die die Kernpunkte des jeweiligen Ansatzes verkörpern, aber nicht unbedingt gegründet haben). Jeder versierte IB-Theoretiker würde sofort versuchen, diese Schulen „klassischen“ Theorieschulen (Idealismus, Liberalismus, Populismus/Realismus, Libertarismus/Realismus) zuzuordnen, was auch mit Einschränkungen möglich wäre. Allerdings wird man damit dem geschichtlichen und kulturellen Hintergrund, auf den Mead jede seiner Schulen gründet, sowie den vielen Überschneidungen und Grauzonen keineswegs gerecht. Insgesamt entsteht durch die tiefe (manchmal durchaus zu tiefe) Verwurzelung dieser Schulen in der amerikanischen Geschichte eine spezifisch auf die USA zugeschnittene Außenpolitik“theorie“ (er selbst weist den Begriff der Theorie explizit zurück, daher die Anführungszeichen), die tatsächlich viele Entwicklungen – auch viele widersprüchliche Entwicklungen – der US-Außenpolitik und ihrer Geschichte transparenter werden lässt.

Ich will kurz die verschiedenen Schulen und ihre Kernaussagen in Stichworten zusammenfassen, wobei ich leider nicht auf die ausführlichen historischen Hintergründe eingehen kann. Wer die will muss das Buch schon selber lesen. Wie gesagt, es ist lesenswert

Wilsonianism

  • Grob (s.o.) der idealistischen Denkschule zuzuordnen
  • Förderung von Demokratie und Menschenrechten kennzeichnen Außenpolitik
  • tw. Missionarischer Charakter
  • Ziel: Verhinderung von Krieg, Förderung des Völkerrechts und Internationaler Organisationen
  • generell weltweit: “non-sectarian universalism”

Hamiltonianism:

  • Grob Liberalismus zuzuordnen
  • Anstelle militärischer Macht bestimmt ökonomische Macht das nationale Interesse
  • die IB sind kein Nullsummen-Spiel
  • Welthandel hat positive Auswirkungen auf friedliche Beziehungen zw. Staaten („commerce as a cause of peace”)
  • Freihandelorientiert (freedom of the seas, freedom of the skies, open foreign markets)

Jeffersonianism

  • Grob Libertarismus zuzuordnen
  • Verfassungsorientiert
  • nicht unbedingt weltwärts gewandt, nur bei konkreten Sicherheitsbedrohungen, misstrauisch gegenüber militärischen Interventionen
  • Misstrauisch gegenüber Staat und Anhäufungen von Macht
  • Anstatt Demokratieexport sollte sich die USA darauf konzentrieren die eigenen Demokratie zu verbessern und als Beispiel für andere fungieren
  • Souveränitätsorientiert und tw. isolationistisch (Bsp: Ablehnung des Völkerbund-Vertrags durch den Senat 1919)

Jacksonianism

  • Grob Populismus/Realismus zuzuordnen
  • „commitment to preserving U.S. interests and honor in the world“
  • wurzelt in der amerikanischen Mittelklasse
  • pessimistisches Weltbild

Wie gesagt, diese kurzen Stichpunkte vermögen nicht unbedingt die Tiefe des Buches zu erfassen und sind eher für mich als Gedankenstütze gedacht. Bei Interesse/Unklarheiten gerne nachfragen. Ansonsten das Buch lesen. Hier die Zusammenfassung von Amazon:

America is perceived as not having a foreign policy tradition, contends Mead (Mortal Splendor: The American Empire in Transition), a senior fellow at the Council on Foreign Relations. In fact, Mead contends, there are actually four contrasting schools of foreign policy: a „Hamiltonian“ concern with U.S. economic well-being at home and abroad; a „Wilsonian“ impulse to promulgate U.S. values throughout the world; a „Jeffersonian“ focus on protecting American democracy in a perilous world; and a bellicose, populist „Jacksonian“ commitment to preserving U.S. interests and honor in the world. As Mead’s detailed historical analysis of the origin and development of these schools shows, each has its strengths and faults if Wilsonians are too idealistic, Jacksonians are too suspicious of the world but each keeps the other in check, assuring no single school will dominate and that a basic consensus among them will be achieved, as was the case during the Cold War. As the Cold War ended, however, and the world became more complex, consensus ended. Hamiltonians and Wilsonians saw the opportunity to mold the economy and morality of the world in the U.S. image, but Jeffersonian doubt about foreign action in places like Bosnia, and Jacksonian popular suspicions of organizations like the WTO soon challenged such grandiose plans. Mead worries that U.S. foreign policy is too unfocused today and suggests we could learn much from the interactions in the past of the four schools, a complex history he ably unfolds.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s