Braunkohle-Leserbrief an die ZEIT

Folgender Leserbrief von mir ging gestern an die ZEIT, die ich hier per ePaper unregelmäßig lese, raus:

Langsam reicht’s! Seit über einem Jahr druckt die ZEIT großflächige Werbeanzeigen des sogenannten „Braunkohle-Forums“ ab, mit denen offen für die Energiegewinnung aus Braunkohle geworben wird – in Ausgabe 48/09 ausgerechnet zwei Seiten nach einer Reportage über die Probleme des Kohletagbaus in den USA! Auf bis zu einer halben Seite Anzeigenfläche „informieren“ Experten aus Wissenschaft und Industrie über die Vorzüge von Braunkohle als Energieträger mit zweifelhaften Slogans wie „Deutsche Ingenieure lösen viele Probleme, wenn man sie nicht am Arbeiten hindert“ und „Vielfalt im Energiemix erhalten“.

Die Werbe-Agentur „Lesch+Frei“, die für die Kampagne verantwortlich ist, benennt offen auf ihrer Webseite das Ziel der Anzeigen: „Entideologisierung der Energiediskussion durch wissenschaftlich fundierte, sachliche Beiträge neutraler Experten“. Eine prominent platzierte, finanzschwere [1] Werbekampagne des „Deutschen Braunkohle Industrie Vereins“, die keinen Anschein macht, ihre Lobbyabsichten zu verschleiern, ist allerdings weniger entideologisierte Debatte als vielmehr unverblümte politische Werbung. Dabei ist das Braunkohle-Forum kein Austauschplatz für Ideen, wie der Name suggeriert. Die dazugehörige Webseite liefert nur dieselben Argumente, die man schon aus den Anzeigen kennt. Eine echte „entideologisierte“ Gesprächsplattform – im Internet technisch keinerlei Problem – fehlt vollständig.

Ob dabei die wissenschaftlichen Ausführungen in den Werbeanzeigen nun sachlich richtig und unzweifelhaft präsentiert sind, ist hier zweitrangig.[2] Politische Lobbyarbeit gehört jedoch nicht in den Anzeigenteil einer der größten deutschen Wochenzeitungen! Vielmehr muss in den entsprechenden redaktionellen Teilen die Debatte ausgewogen dargestellt werden, sauber recherchiert und unter Berücksichtigung möglichst vieler Perspektiven. Von der Berichterstattung ist die ZEIT dazu sicherlich in der Lage – nun sollte sie darüber nachdenken, ob sie ihre Arbeit auch glaubwürdig präsentieren kann.

[1]: Ein halbseitige Anzeige in der Zeit kostet €30.835,20. Nicht von schlechten Eltern…

[2]: Was allerdings bezweifelt werden kann… siehe auch hier.

Ich glaube ja nicht, dass er gedruckt wird… Daher soll er an dieser Stelle wenigstens ein paar wenige Leser erreichen.

3 thoughts on “Braunkohle-Leserbrief an die ZEIT

  1. Also wenn er gedruckt wird kannst du ja bald Kohle (muahaha) für deine regelmäßigen Beiträge in der ZEIT verlangen😉
    Stimme dir aber vollkommen zu in deinen Äußerungen. Mal wieder gut auf den Punkt gebracht. Danke dafür Felix „invesigativer Leserbriefschreiber“ Haaß

  2. so kriege ich wenigstens mal ein bisschen was von der ZEIT mit…aber schön zu wissen dass es doch noch leute gibt die nicht ganz so phlegmatisch sind wie ich😉

  3. Er wurde übrigens nicht gedruckt. Eigentlich ziemlich klar, denn die werden wohl keine Leserbriefe abdrucken die ihr Anzeigenkunden vergraulen (30 000 Öcken per Anzeige, ’nuff said), wo, der Anzeigenmarkt doch eh schon den Bach runtergeht.

    Und von wegen Kohle verlangen (und ja, das war ein schlechter Witz🙂 ): Wenn man in der Rubrik „Widerspruch“ (letzte Seite Politikteil) ne Veröffentlichung bekommt, gibt’s 100 Ois, bar auf die Bankverbindung. Also wenn’s mal mim Geld knapp ist…🙂

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